Prolog zur Gartenreise im August 2025
Am Anfang stand die Idee, darauf folgten Planung und Organisation. Nach einer längeren Pause, bedingt durch die Covid-19 Pandemie und einen Wechsel in der Leitung der Regionalgruppe Hamburg, sollte es endlich wieder eine Gartenreise geben. „Wir fangen erstmal klein an – und nicht so weit weg!“ war die einhellige Meinung. Innerhalb des Organisationsteams fanden sich schnell vier Engagierte, die die Sache in die Hand nahmen. Herausgekommen ist eine dreitägige Tour in den Raum Hannover und danach weiter ins Wendland. Insgesamt acht Privatgärten und einer der ältesten botanischen Gärten in Deutschland standen auf dem Reiseplan. Vom 15. bis zum 17. August 2025 dauerte die Fahrt. Und wir haben beschlossen: Es wird wieder eine Reise geben!
Wir, die Regionalleitung, bedanken uns bei unserem Team, das eine perfekt geplante und umgesetzte Reise organisierte, bei den rund 30 Teilnehmern, die in einer Schicksalsgemeinschaft dazu beitrugen, dass die Tour rundum stimmig verlief und last but not least natürlich bei all den Gärtnerinnen und Gärtnern, die uns so offen, so herzlich und so bereitwillig ihre Gartenpforten öffneten. Um uns teilhaben zu lassen an ihrem so individuellen und persönlichen Ort, ihrem Garten.
Tag Eins der Gartenreise 2025, 15. August - Garten Scheele, Walsrode (10.000 qm)
Welch eine Überraschung! Hier ist ein passionierter Gartengestalter am Werk. Profi halt. Dies zeigt sich in der gesamten Anlage. Das Motto „ein Garten kommt selten allein“ wird auf höchstem Niveau zelebriert. Dem Besucher eröffnen sich hinter Fachwerk und Ziegelsteinmauern die unterschiedlichsten Gartensituationen. Zimmer und Räume. Ob es sich um einen, von einem Staketenzaun umgebenen Bauerngarten, ein Stück Toskana oder einen von Karl Foerster inspirierten Senkgarten auf dem ehemaligen Tennisplatz handelt – jeder Raum bannt dich mit seinem eigenen Flair. Liebevoll zusammengetragene historische Einzelstücke versetzen dich in eine andere Zeit, an einen anderen Ort. Du möchtest es bei heißem Wetter der kurz vor dem Sprung stehenden Badenixe gleichtun und dich im Schwimmteich abkühlen, dich vom Plätschern und Glucksen der großen Brunnenkugel einlullen lassen oder einfach nur mit einem guten Buch in der Weidenschaukel, die dich wie einen Kokon umgibt, den Alltag vergessen. Es gibt viel zu Entdecken hier, auf dieser Gartenschau im Kleinen.
©2025 Claus-Dieter Schmuck-Hinsch
©2025 Claus-Dieter Schmuck-Hinsch
Waldgarten Günther, Essel
Wir kommen an im Waldgarten. Mächtige, alte Kiefern bestimmen das Bild. Ihre offenliegenden Wurzeln geben selbst dem Boden Struktur. Der ist stellenweise mit weichem Sternmoos bedeckt. Das lenkt den Blick nach unten. Sonnenlicht wird gebrochen und flirrt bis auf die Erde. Die Luft ist warm und trocken. Bilder aus Kindertagen tauchen auf. In der Mitte eine Lichtung. Der Sturm hat vor geraumer Zeit einige der alten Veteranen umgelegt. Das hat Chancen eröffnet. Ein paar Laubgehölze zeichnen das Bild weich. Farne und Schattenstauden, gut gewählt, gut platziert. Gärtnern mit dem, was du vorfindest. Der Ort bestimmt die Pflanzenauswahl. Nicht umgekehrt. Kein Kitsch, kein Schnörkel. Es hat etwas von Märchen hier. Ach, hätten wir doch noch etwas bleiben können.
©2025 Henry Froböse
©2025 Sabine Woelk
Garten Herglotz, Essel (2.000 qm)
Der Vorgarten ist eine Schau. Eine Unzahl von streng geschnittenen Buchskugeln, steil aufragenden Eibenkegeln und breit ausladenden, dicht getrimmten Kiefern stehen in einer Matrix aus blühenden Beetrosen, einer pinken Bergenie, die durch die Gehölze mäandert und Gräsern. Im Schatten Farne und Hostas, begleiten dich in den hinteren Garten. Der öffnet sich zu einer weiten Rasenfläche, gerahmt von nicht alltäglichen Gehölzen und zahlreichen, weißblühenden Hortensien. Weiter hinten ein kleiner Teich mit Bachlauf, Bambus, Kiefer und Mooshügel. Ein wenig Japan. Im Hintergrund formale Strenge, gepflasterte Wege und ein Rondell mit Louvre-Vase, gefasst mit Buchs. Daran anschließend, unter altem Gehölz, Stauden für den Schatten aus Mutters Garten. Ein Garten, der seinen Eindruck hinterlässt.
©2025 Eckhard Woelk
©2025 Sabine Woelk
Tag Zwei der Gartenreise 2025, 16. August - Garten Groeneveld, Neustadt am Rübenberge (1.700 qm)
Außerhalb des beschaulichen Städtchens liegt er. Ein fröhlich bunter Hausgarten. So, wie wir ihn vielleicht noch aus Großmutters Zeiten kennen. Gerahmt von Bäumen, Sträuchern und Hecken, Beete mit Stauden und Gemüse. Im Zentrum ein Gewächshaus im viktorianischen Stil. Hinterm Haus ein ruhiger Schattenteil. Daran anschließend eine gediegene Terrasse mit klassischen Möbeln aus Teak. Gefasst von zwei Weidenblättrigen Birnen. Das graue Blatt wirkt elegant. Rosenbögen und Wasserbecken geben Struktur und fangen den Blick. England hat seinen Einfluß hinterlassen. Ansonsten kein modischer Schnick-Schnack. Du merkst, dieser Garten ist über die Jahre gereift, jedoch ohne seinen Zenit bereits hinter sich gelassen zu haben. Ein Garten ohne überfrachtet zu sein von dem, was du aus vielen anderen Gärten kennst – ein Stück Idylle zur inneren Kontemplation. Was braucht es mehr?
©2025 Eckhard Woelk
©2025 Eckhard Woelk
Herrenhäuser Gärten und Berggarten, Hannover
Wenige Stunden nur für einen der ältesten Botanischen Gärten in Deutschland. Zu wenig. Du musst dich also entscheiden. Strenges Barock mit Heckenornamenten aus Bögen, Roncaillen und Teppichbeeten. Springbrunnen, die Große Fontäne, Grotten mit den Nanas von Niki de Saint Phalle. Der Irrgarten. Vielleicht siehst du eine Rokokodame mit Turmfrisur und Reifrock? Großes Parterre, Orangenparterre, Lindenallee. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Oder doch lieber den im Stil eines englischen Landschaftsparks geprägten Berggarten? Lancelot Capability Brown könnte dir begegnen. Na gut, eher unwahrscheinlich. Dann doch eher Hans Simon? Auf ihn zumindest geht der ursprünglich in den 1990er Jahren angelegte Präriegarten zurück. The New German Style ist sein Markenzeichen. Heute ist der Präriegarten überarbeitet und präsentiert sich im neuen, frischen Look. Jetzt, Mitte August, stehen die meisten Hochstauden in voller Blüte. Wer die Farbe Gelb im Garten nicht mag, sollte ihn meiden. Sonnenhüte, Sonnenblumen, Sonnenaugen, Sonnenbräute. Dazwischen, unverzichtbar, Gräser. Miscanthus, Molinia, Panicum. Du streifst beschwingt durch dieses sich im Wind wiegende Meer aus Blüten und Ähren. Die Uhr sagt, du musst jetzt gehen – die Zeit ist immer zu knapp bemessen.
©2025 Sabine Woelk
©2025 Helma von Appen
Garten Pristin, Barsinghausen (4.500 qm)
Zuerst der alte Garten. Mächtig gewordene Bäume prägen den Raum. Sie haben aus dem vormals offenen Grundstück einen Wald gemacht. Ein wenig verwunschen kommt er daher. Seine Atmosphäre nimmt dich gefangen, du bist umhüllt von Reflexionen aus Licht und Schatten. Pflaster- und Rasenwege schlängeln sich durch Beete voller Stauden. Nur mühsam noch erkennst du den Ursprung aus Kreisen und Bögen. Und dennoch, der Hannoveraner Berggarten stand hier sichtlich einst Pate. Er ist so eingewachsen, als wäre er schon immer da gewesen. Sichtachsen und Durchblicke leiten das Auge. Du folgst dem Weg, begleitet von den Skulpturen ‚Facetten des Wesens‘ und trittst hinaus ins Licht.
Der neue Garten steht im absoluten Kontrast zu dem alten. Gräser und Wiesen breiten sich vor dir aus, weite Landschaft, weiter Himmel. Ein wenig Prärie. Jeden Moment könnte Piet Oudolf um die Ecke kommen. Die harmonischen Farben der Beete schmeicheln dem Auge. Geborgenheit durch Hecken wie Wellen und Brandung. Sträucher und Bäume setzen Ausrufezeichen. Setz dich auf eine Bank, hierhin, ja, hierhin! – und komm zur Ruhe.
©2025 Eckhard Woelk
©2025 Sabine Woelk
Tag Drei der Gartenreise 2025, 17. August - Garten Kallfaß, Schnega (8.000 qm)
Schon der Eintritt ist ein Statement. Großes Eisentor, Kopfsteinpflaster, Gutshaus. Es heißt dich willkommen – sagt aber gleichzeitig, bleib auf Distanz! Du gehst daran vorbei und bleibst unvermittelt stehen. Vor dir fällt das Grundstück sanft hinab. Unten ein großer Teich mit Seerosenidyll. Der Blick geht darüber hinaus. Weit ins Land. Geborgte Landschaft. Links neben dem Teich die große Wiese, gefasst mit Stauden. Dahinter ein abgeschiedener Sitzplatz. Formaler Garten, buchsgerahmt hinter einem der Wirtschaftsgebäude. Rosen und Iris. Du wendest dich wieder dem Teich zu, umrundest ihn einmal. Langsamer Anstieg. Links der Wald. Folge seinem Weg – und dein Herz hüpft vor Freude. Dieser Wald ist einzigartig. Blickpunkte, gekonnt gesetzt. Ein Farn springt auf, neben einem Baumstumpf. Wie zufällig. Der Weg zieht dich immer weiter hinein in den Wald. Du gehst und gehst. Gräser, Storchschnabel, Schaublatt. Zwischendrin immer wieder Durchblicke hinaus auf die Felder, ins Land. Doch der Garten ruft und du kehrst zurück. Zurück ins kühle Grün von Hosta, Hortensie und Lungenkraut. Und wieder der Blick zum Teich. Und weiter zum Horizont. Dein Auge kommt zur Ruhe. Darf ich noch bleiben?
©2025 Sabine Woelk
©2025 Thomas Winkelmann
Garten Schüssler, Plumbohm (1.800 qm)
Viel bestaunt, viel besungen. Dieser Garten ist ein Kleinod. Umgeben von Feldern und Wald liegt er inmitten der Landschaft. Sanfter Hügel im Hintergrund gibt Schutz. Neben dem großen Landhaus die alte Blutbuche. Wächterin über Mensch und Garten, wie eine Glucke steht sie da. Hält alles zusammen. Du meinst, das Kinderlachen aus dem hohen Geäst zu hören. Gefasst das ganze Grundstück mit Hainbuche gibt den Rahmen. Ein rundes Fenster im Geheck lässt einen neugierigen Blick nach draußen zu. Nur hinter dem Teich öffnet sich die Hecke ins Land, lässt das Auge wandern. Wald vorm Horizont fängt den Blick, führt ihn zurück in den Garten. Ein Landhausgarten, wie im Bilderbuch. Sträucher und Hecken geben ihm Struktur. Gartenräume gliedern ihn geschickt. Wie Kinderstuben, gefüllt mit Stauden, hoch bis in den Himmel und Sommerblumen, überbordende Blütenfülle. Beim Umherstreifen wirst du ein Teil dieses Gartens, er nimmt dich auf, als wolle er sagen, du gehörst zu mir! Der Garten, so freundlich wie die Menschen hier.
©2025 Anke Grunhard
©2025 Eckhard Woelk
Garten Constabel, Trebel (15.000 qm)
Jung ist er noch, der Garten. Du fühlst dich um 25 Jahre zurückversetzt, als du selbst mit deinem Garten angefangen hast. Eine große Fläche, die daliegt und dich auffordert, sie zu gestalten. Allein die Größe des Grundstücks ist eine Herausforderung. Das Konzept ist jedoch wohl erkennbar. Der Catalpa bereits jetzt schon ein Hingucker. Staudenbeete ziehen sich am Stall entlang. Rosen, Hostas, Hortensien. Das Auge freut’s. Wasserflächen, runde Beete, gut gesetzte Gehölze. Deine Erfahrung sagt, ja – in wenigen Jahren werden die Beete doppelt so groß sein. Mindestens. Geht ja gar nicht anders. Die Gehölze geben dann die nötige Struktur. Auch hier, hinter dem Garten das weite Land. Es mit einzubinden, dass ist die Kunst. Es nutzen, die Aufgabe. Den Blick, den Himmel, den Horizont. Ihr seid auf einem guten Weg. Jetzt nur nicht nachlassen!
©2025 Susanne Harnik
©2025 Eckhard Woelk