Text: Maren Gatzemeier / Mathias Brendle
Bildnachweis: Maren Gatzemeier (2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 14, 15, 16, 17)
Gesa Steinbrecher (1, 12, 13, 18, 19)
Bei bestem frühlingshaftem Wetter starteten 20 fröhliche Mitglieder der Fachgruppe Helleborus zusammen mit 2 Gästen in ein traumhaftes Jahrestreffen. Niemand konnte sich daran erinnern, über die gesamte Dauer des Jahrestreffens schon einmal so milde Temperaturen und keinen Regen gehabt zu haben. Gleich am Freitag stand der Besuch von 3 Privatgärten im Nordwesten von Berlin an. Frohnau, der nördlichste Teil von Reinickendorf, erinnert wegen seiner Schönheit und Ruhe an einen Kurort. Gleich zwei Gärten konnten in diesem schönen Ortsteil besucht werden, der nicht aus einem Dorf oder aus einer alten Siedlung hervorgegangen ist, sondern Anfang des 20. Jahrhunderts als Gartenstadt geplant wurde. Es verdankt seine Existenz Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck. Er kaufte 1907 in der Stolper Heide 3.000 Morgen Wald und überschrieb sie zu Recht eigenwilligen Bedingungen an die »Berliner Terrain-Centrale«: Es durften nur Einfamilienhäuser in lockerer Bebauung und im Landhausstil errichtet werden und jede Straße sollten Bäume wie Ahorn, Linde, Eiche oder Kastanie prägen. Kein Wunder, dass gutsituierte Bürger, Intellektuelle und Künstler in die stattliche Villen- und Landhauskolonie zogen.
Begrüßt wurden wir von Irene Bose, die uns ihren Waldgarten Pupuce öffnete. Sie wohnt seit 1990 in dem Haus, das von hohen, alten Bäumen umrahmt wird. Mit der Gartenanlage hat sie vor etwa 25 Jahren begonnen. Der Garten ist ca. 1300qm groß und inzwischen schön eingewachsen. Der alte Baumbestand fällt besonders auf, der Garten und Haus einen besonderen Charakter verleiht. Ziehen jetzt im März noch die vielen Frühjahrsblüher alle Blicke auf sich, werden diese später von blühenden Gehölzen und Stauden abgelöst. Besonders haben uns Besuchern neben den üppig blühenden Galanthus, Crocus und Puschkinien einige sehr früh blühende Erythronium dens-canis Der Garten strahlt eine große Ruhe aus und während wir Vögel und auch schon Schmetterlingen beim Umherschwirren zusahen, kam ein Fuchs vorbei und schaute, wer die Ruhe in seinem Revier stört.
Danach ging es gleich weiter zum Garten von Sybille Voormann. Auch hier fallen die hohen Bäume auf, die dem Garten ein besonderes Flair verleihen. Das Grundstück ist mit Hecken und Sträuchern gegliedert und geht in den Garten des Bruders über. Auch diesen Garten durften wir besichtigen. Wunderschön ist das alte Haus, das der Großvater 1913 gekauft hat. Später erwarb er für seinen Sohn das Nachbarhaus, um die Enkel in seiner Nähe aufwachsen zu sehen. So wundert es nicht, dass Frau Voormann das Gärtnern bereits von ihrer Großmutter gelernt hat. Sie zeigte uns auch, wo sie schon als Kind ihr erstes eigenes Beet anlegen durfte.
In dem großzügig gestalteten Garten mit geschwungenen Rasenflächen und formalem Wasserbecken fallen jetzt im Frühjahr die vielen Frühjahrsblüher ins Auge und auch die 3 großen Hamamelisgehölze zeigen sich in ihrer vollen Blütenpracht.
Es war kaum genug Zeit, diese vielen Eindrücke zu verarbeiten, da ging es schon zum nächsten Garten. Auch hier, in Berlin Hermsdorf, nicht weit von Frohnau entfernt, prägen wunderschöne Villen und Wohnhäuser das Bild der Straße. So wundert es nicht, dass uns Brigitte Gramlich in einem 2100qm großen und parkähnlich gestalteten Garten empfing. Die großzügigen Rasenflächen, zusammen mit dem alten Baumbestand, ergänzen perfekt den Charme der 1927 im englischen Landhausstil errichteten Villa. Brigitte Gramlich erzählte mit viel Leidenschaft, wie sie 2010 zuerst ihren Mann vom Kauf des verwilderten Anwesens überzeugen musste und wie sie dann gemeinsam die Mammutaufgabe angingen, das Haus und den Garten aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Wir sahen das Ergebnis und sind begeistert, was den Gramlichs in den 15 Jahren gelungen ist. Brigitte ist aber nicht nur eine begnadete Gärtnerin, sondern sie verwöhnt ihre Gäste auch noch als warmherzige Gastgeberin – ganz herzlichen Dank.
Nach diesem schönen Tag mit Gartenbesuchen, stand am Abend noch die Mitgliederversammlung an. Ulrike Link berichtete, dass die Fachgruppe um 3 weitere Mitglieder gewachsen ist. Im Weiteren ging es um die Organisation des Samentausches, der bedingt durch die kurze Keimfähigkeit der Samen, direkt nach der Samenreife erfolgen sollte. Da dies zeitlich nicht mit dem allgemeinen Samentausch der GdS zusammenpasst, versucht die Fachgruppe hier eigene Wege zu gehen. Beim weiteren Thema ging es um das 10-jährige Jubiläum, welches die Fachgruppe im nächsten Jahr feiern kann. Natürlich freuen sich schon alle auf das Ereignis und tauschten fleißig Ideen für die nächste Reise aus.
Bei weiterhin bestem Wetter startete die Gruppe am Samstag zum Sammlergarten von Bärbel und Klaus-Dieter Metz, der direkt im Areal des Parks von Sanssouci gelegen ist. Bärbel Metz war über vierzig Jahre lang Gärtnerin in der Parkgärtnerei und so wundert es nicht, dass sie eine beeindruckende Sammlung und Pflanzen umsorgt. Bärbel Metz führte uns durch ihr rund 1500qm großes, beeindruckendes Reich. Nachdem wir schon dachten, wir hätten inklusive der schönen Helleborus Hybriden alles gesehen, machte uns Frau Metz darauf aufmerksam, dass sich weitere Gartenteile auf der anderen Seite vom Haus befinden.
Mittags stand dann der Besuch bei Andreas Händel (Mr. Hepatica) auf dem Programm. Er selbst hatte leider auf dem Gartenmarkt in Erfurt zu tun, deshalb begrüßte uns seine Frau Gundula und stand uns im Garten und im Verkauf mit Rat und Tat zur Seite. Das Sortiment an Hepatica, Eranthis und vielen anderen Stauden zeigt sich äußert vielseitig. Wer mit offenen Augen durch den Garten und die Quartiere ging, konnte auch schon einen Blick auf die zukünftigen Schätze erhaschen. Da zeigten sich sehr schöne gelbe Helleborushybriden, Adonisröschen in sanften Bronzetönen und Leucojum mit einem kleinen grünen Rand. Wir sind gespannt, wie es mit diesen Entwicklungen weiter geht.
Am Nachmittag ging es dann abermals in einen Privatgarten, unweit von unserem Hotel in Potsdam/Golm. Von der Straße her kaum zu erahnen, befindet sich hinter dem Tor ein historischer Vierseithof. Als Jochen Kraatz diesen nach der Wiedervereinigung zurück erlangen konnte stand er Anfang der 90er Jahre vor einer verwahrlosten Brache und maroden Gebäuden. Es gehörte gewiss eine Menge Fantasie, Kreativität und Enthusiasmus dazu, um hier einen Garten der Superlative entstehen zu lassen. Das 1,5ha große Areal ist heute bekannt für seine umfassende Hostasammlung. Das Gelände ist mit vielen großen und kleinen Findlingen modelliert, und Bäume und Gehölze schaffen einen natürlichen Rahmen für die Stauden. Am Haus empfängt uns Sabine Kraatz und spaziert mit uns durch den Garten, in dem jetzt im Frühjahr Abertausende von blühenden Zwiebelblumen den Boden bedecken, ergänzt von schönen Helleborus Hybriden. Beim Gartenrundgang kamen wir aus dem Staunen nicht heraus und wünschten uns alle, den Garten in ein paar Monaten, wenn sich Hemerocallis, Rosen und Hosta präsentieren, noch einmal zu sehen.
Der letzte Tag unserer Reise führte uns in den weithin bekannten Garten von Karl Förster, wo unsere Gartenführerin, Regina Ebert, schon auf uns wartete. Fachkundig führte sie uns durch die verschiedenen Gartenbereiche, zeigte uns historische Bilder und sie hatte auch so manches kluge Zitat von Karl Foerster parat. Am Frühlingsweg entdeckten wir auch hier sehr schöne Helleborus Hybriden und bekamen durch die Führung sogar einen Einblick in den privaten Garten hinter dem Haus, der erst seit wenigen Jahren wieder hergerichtet ist. Die große Überraschung des Tages war aber, dass wir tatsächlich an Karl Foersters Geburtstag durch seinen Garten flanierten.
Zum Abschluss des schönen Reisewochenendes ging es in die russische Kolonie Alexandrowka in Potsdam. Ein einzigartiges Ensemble, das 1826 bis 1827 auf Wunsch von Friedrich Wilhelm III. als Gedenkstätte für Zar Alexander I. errichtet wurde. Die Kolonie besteht aus 12 Gehöften, die jeweils einen kleinen Garten haben, sowie einer russisch-orthodoxen Kirche und einem weiteren Haus neben der Kirche.
Die Kolonie wurde für russische Sänger angelegt, die als Geschenk des Zaren am preußischen Hof blieben. Jedes der Häuser war vollständig möbliert, und jeder Haushalt erhielt eine Kuh geschenkt. Die Gärten waren bereits bei der Errichtung der Siedlung angelegt und dienten nicht nur der Selbstversorgung, sondern auch der Schönheit und als Erholungsort für die Bewohner.
Die meisten Häuser der Kolonie sind heute in Privatbesitz, nachdem sie lange Zeit im Besitz des Hauses Hohenzollern waren, deshalb freuten wir uns sehr, dass uns Anne und Lutz Andres einen Einblick in ihr privates Domizil und ihren Garten erlaubten. Mit viel Liebe zum Detail haben sie die Böden und Wände nach alten Vorlagen saniert und das Haus mit passenden Möbeln ausgestattet. Der Garten zeigt noch Teile der historische Grundstrukturen mit alten Obstbäumen. Und da es sich in historischer Anlehnung bei dem Ehepaar Andres um ein Musikerpaar handelt, wurden zum Abschluss dieser rundherum gelungenen Gartenreise zur Klavierbegleitung von Frau Andres noch gemeinsam 2 Lieder gesungen.





















