Ein Garten in Englischer Tradition mitten in Dortmund
Menschen für die Schönheit und Vielfalt der Stauden begeistern, neue Freunde für die Gestaltung mit Stauden gewinnen, den Besuchern ein Lächeln ins Gesicht zaubern und im gemeinsamen Tun als Beetpatin oder Beetpate bereichert werden – all dies wird seit der offiziellen Übergabe im Jahr 2001 im „Englischen Staudenbeet“ im Botanischen Garten Rombergpark verwirklicht. Bereits 1996 entstand die Idee zwischen dem damaligen Leiter der Dortmunder Regionalgruppe – Dr. Peter Mosebach – und dem damaligen Leiter des Botanischen Gartens – Heribert Reif, gemeinsam ein englisches Staudenbeet im Park anzulegen.
©Sarah Gesella
Das Staudenbeet im Botanischen Garten Rombergpark
Bis heute entwickelt die 92 Meter lange Doppelrabatte auf etwa 1.000 Quadratmetern Beetfläche eine Blütenfülle und Farbenpracht, die die Besucher begeistert und oft zu mehrmaligen Besuchen im Park motiviert. Ein Spaziergang entlang des Mittelwegs wird zu einer Reise durch wechselnde Farben und höhengestaffelte Pflanzungen, die ein Durchschreiten zu einem besonderen Erlebnis werden lassen. Die Gestaltung des Beets folgt der englischen Tradition des „mixed border“, bei der in harmonischer Kombination Stauden, Gräser und Gehölze zu einem lebendigen Gesamtbild verschmelzen. Am Staudenbeet im Botanischen Garten Rombergpark entdecken Besucher neben den in Gruppen und Drifts (Pflanzbänder) gesetzten Stauden auch einzelne Gehölze wie rotblättrige Berberitzen oder Holundersorten. Auf die Verwendung von Einjährigen und nicht winterharten Pflanzen wird zugunsten der Nachhaltigkeit weitgehend verzichtet.
Die Eibenhecken im Hintergrund lassen mit ihrem dunklen Grün die Farben leuchten und die Baumkulissen des Arboretums runden das Gesamtbild ab. Die sich wiederholenden Formschnitt-Eibenkugeln im Vordergrund greifen das Grün der Hecken auf. Besonders im Frühling vor Beginn des Höhenwachstums der Großstauden bilden die rhythmisch gesetzten rotlaubigen Gehölze (Berberitzen) wichtige Farbakzente. Durch die wenigen vorhandenen Großgehölze (zwei seltene Koniferen und eine Gleditsia triacanthos 'Sunburst') ergeben sich trockenere Schattenstandorte, die besondere Aufmerksamkeit erfordern.
©Marion Nickig
Das Staudenbeet im Botanischen Garten Rombergpark
Seit der Einweihung hat die Verwendung von Staudengräsern zugenommen – getreu dem Prinzip von „Harfe und Pauke“ nach Karl Foerster, bei dem Gräser die Harfen darstellen und großblättrige Pflanzen die Pauken. So ergibt sich auch in der kalten Jahreszeit bis zum Beginn der neuen Vegetationsperiode noch ein ansprechendes Bild. Über das Jahr hinweg entfaltet sich eine mit Bedacht komponierte Farb- und Formenvielfalt, die in jeder Jahreszeit neue Akzente setzt.
Ein besonderes Farbkonzept
Inspiriert durch berühmte monochrome Gartenräume wie den „Weißen Garten“ von Sissinghurst wurde das Farbkonzept entwickelt. Durch den die Doppelrabatte querenden Weg wird das rote Beet in vier Bereiche getrennt und bildet den farblich leuchtenden Mittelpunkt. In Richtung Norden kühlt das Farbspektrum über Rosa und Violett bis hin zum Blau ab, während in südlicher Richtung warme Töne wie Gelb bis hin zum hellen, leuchtenden Weiß dominieren. In den Farbabschnitten werden die jeweiligen Farbwerte variiert (heller – dunkler, wärmer – kälter, stumpf – glänzend…), wobei Struktur- und Texturkontraste wesentlich sind.
© erstellt von Manfred Reichel
Gesamtplan des Beets in Farbbereichen
Hingabe und Know-how: Das Beet lebt durch seine Paten
Die Planung und Pflege der Beete erfolgt durch Mitglieder der Gesellschaft der Staudenfreunde e. V., die hier ehrenamtlich als Beetpaten verantwortlich tätig werden. Sie pflegen mit Leidenschaft die einzelnen Farbabschnitte, experimentieren mit Pflanzenkombinationen, teilen ihr Wissen mit Neugierigen und wecken so weitergehendes Interesse.
Was bedeutet der „Englische Garten“ im Botanischen Garten Rombergpark den Dortmundern? Viele genießen die Blütenfülle, das Stück England im Dortmunder Süden, die Erholung – vielfach verlangsamt sich der Schritt und eine Rast auf den Bänken lässt den Blick schweifen. Die Vielfalt an Fotomotiven animiert dazu, die Kamera hervorzuholen, und auch Anregungen für den Privatgarten oder Balkon werden gewonnen.
Was bedeutet der „Englische Garten“ für die Betreuenden – die Beetpaten? Das gemeinsame Gestalten im Rahmen eines Parks mit schönem altem Baumbestand in landschaftsgärtnerischen Proportionen ist eine einmalige Chance. Wir lernen voneinander durch gemeinsames Schaffen, aber auch durch die vielen Besucherinnen und Besucher. Während unserer Arbeit an den Beeten erhalten wir viel Lob und Zuspruch. Auch die vielen Fragen der Spaziergänger zu bestimmten Sorten zeugen von großem Interesse.
© Sarah Gesella
Das Staudenbeet im Botanischen Garten Rombergpark
Ein besonderer Dank gilt der Leitung und der Gärtnerschaft des Botanischen Gartens Rombergpark
Gibt es ein Erfolgsrezept, um solch ein umfängliches Projekt so viele Jahre am Leben zu erhalten und nicht nach anfänglicher Euphorie zu scheitern? Ein solches Projekt kann nur durch starke Zusammenarbeit gelingen. Entscheidend ist die Kooperation: Zum einen mit der Leitung des Botanischen Gartens – dem heutigen Leiter Dr. Patrick Knopf – sowie dem Tiefbauamt auf organisatorischer Ebene, zum anderen mit der Gärtnerschaft des Parks auf praktischer Ebene. Alle Seiten tragen Arbeit und Mittel zur Erhaltung bei: auf Seiten der GdS das Gestalterische, bei der Stadt und dem Botanischen Garten der Kauf der Pflanzen, ergänzt durch unsere Spenden, von Seiten der Gärtnerschaft die Grundpflege des Beets, unterstützt und erweitert durch die Beetgruppe. Erfreulich, dass es bisher immer interessierte und engagierte Staudenfreunde gibt, die als Beetpaten diese Aufgabe kompetent und mit viel Engagement und Freude wahrnehmen.
© Marion Nickig
Schöne Leycesterie und Kerzenknöterich
Im Folgenden berichten die Beetpaten und -patinnen über ihre jeweiligen Farbabschnitte im Staudenbeet des Botanischen Gartens Rombergpark – ein Treffpunkt für Pflanzenliebhaber, ein Ort der Inspiration und ein gemeinschaftliches Projekt mit Herz.